Louis Stuber AG

Wir sortieren die Welt

Louis Stuber AG aus dem Schweizer Kanton Bern hat gemeinsam mit Eplan und Rittal Schritt für Schritt einen neuen Zugang zum Steuerungsbau umgesetzt.

Wer heute im Steuerungs- und Anlagenbau erfolgreich sein will, braucht mehr als Erfahrung und handwerkliches Können. Digitalisierung, durchgängige Daten und effiziente Prozesse entscheiden darüber, ob Projekte wirtschaftlich umgesetzt werden können. Die Louis Stuber AG aus dem Schweizer Kanton Bern hat diesen Wandel erkannt und ihn konsequent umgesetzt. Gemeinsam mit Eplan und Rittal entstand so Schritt für Schritt ein neuer Zugang zum Steuerungsbau.

Wer in der Schweiz in den Bereichen Recycling, Intralogistik, Agrar, Wasser, Steine und Erde tätig ist, kennt das Angebot der Automatisierungspartnerin für industrielle Sortiervorgänge. „Wir sortieren sozusagen die Welt“, bringt Christian Bütikofer, Inhaber und Geschäftsführer der 1920 gegründeten Firma, den Tätigkeitsbereich seines Elektro-Unternehmens auf den Punkt. „Unsere Kunden bekommen bei uns alles aus einer Hand. Das beginnt beim Engineering, geht über das Erstellen von Elektroschemas, das Programmieren von Steuerungen bis zum Zusammenbauen von ganz kleinen bis sehr grossen Schaltschränken. Wir bieten dann auch die Installation und die Inbetriebnahme an“, erzählt Bütikofer ausführlicher. Dabei gehe es sehr oft um individuelle Anlagen oder den Prototypen-Schaltschrankbau, denn „besonders motivieren uns anspruchsvolle Aufgaben, bei denen individuelle Lösungen gefragt sind.“, hält der Inhaber fest. Damit das auch zukünftig gelingen konnte, war der Schritt in Richtung Automatisierung und Digitalisierung notwendig. „Wir haben immer versucht, etwas bei der Effizienz unserer Abläufe herauszuholen, aber solche Prozesse sind nur möglich, wenn man digitalisiert und automatisiert. Auch wenn es nicht leicht ist, von Altem loszulassen“, erinnert sich das Team von Louis Stuber AG. Gelungen ist das mit Hilfe von Davide Cannova, Account Manager bei EPLAN Schweiz und Mathias Taraca, Area Sales Manager bei Rittal Schweiz. Sie haben die Anliegen der Louis Stuber AG ernst genommen und bei der Umsetzung des Vorhabens unterstützt. 

Effizient arbeiten

Gut acht bis zehn Arbeitstage dauerte in der Vergangenheit der Aufbau eines Vier-Meter-Schaltschranks. „Wir haben mit dem klassischen Rostaufbau sehr viel Zeit benötigt – selbst ohne Änderungen“, erinnert sich Roger Morgenthaler, Geschäftsleitung Industrie & Steuerungsbau. Eine Zeitlang wurden Schaltschränke bei Rittal Schweiz mechanisch bearbeitet, um die Abläufe zu beschleunigen. „Wir mussten ein bis zwei Wochen warten, bis die Schaltschränke wieder zurück in die Produktion gekommen sind. Das hat leider im Ablauf zu viel Zeit gekostet“, erklärt Roger Morgenthaler. Das war schliesslich der Auslöser für den Kauf der eigenen Bearbeitungsmaschine. 2021 zog damit eine Rittal Perforex bei Louis Stuber ein. Mit dieser lassen sich sämtliche mechanischen Bearbeitungsschritte bei der Konfektionierung von Schaltschränken wie Bohren, Gewindeschneiden sowie Fräsen von Ausschnitten in einem Arbeitsgang erledigen. Bei Louis Stuber hat man sich für eine Perforex BC 1007 HS entschieden. Damit können Flachteile bis 2450x1600 mm, sowie kubische Teile bis 1600x1400x1600 mm eingespannt und bearbeitet werden. Und es lassen sich alle im Steuerungsbau üblichen Materialien wie Stahl, Edelstahl, Aluminium, Kupfer und auch Kunststoff bearbeiten. 
Dann ging es weiter mit dem Thema Ablängen von Verdrahtungskanälen, Kabelkanaldeckeln und Tragschienen. Der manuelle Zuschnitt mit Handwerkzeugen oder einer Säge ist mühsam und zeitaufwändig und oft nicht genau genug. Zudem müssen die Schnitte mühsam entgratet werden. „Wir haben das bei uns bis 2023 klassisch mit einer Säge gemacht. Dann haben wir eine Rittal Secarex AC 18 angeschafft“, erzählt Morgenthaler. Die übernimmt das halb- und vollautomatische Ablängen von Kanälen, Deckeln und Tragschienen. „Die Secarex könnte man als ‚nice to have’ bezeichnen, gehört nach unserer Philosophie aber zu dem ganzen Prozess dazu. Mit diesen beiden Maschinen haben wir einige Jahre gearbeitet. Dann haben wir überlegt, was wir noch machen bzw. wie wir uns weiterentwickeln können“, sagt Bütikofer. 

50 % Zeit sparen

2017 hat das Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart in einer Studie zum Thema „Schaltschrankbau 4.0“ festgestellt, dass 60 % der Fertigungszeit für die Verdrahtung aufgewendet wird. Mit vorkonfektionierten Drähten oder Drahtsätzen könne man laut der Studie bis zu 50 % Zeit einsparen. „Es war sehr interessant zu hören, wie viel Einsparungspotenzial man bei der Verdrahtung eines Schaltschrankes hat. Da wurden wir hellhörig. Denn wir wissen natürlich von unseren Mitarbeitern, wie viel Zeit es benötigt, einen Draht mit der Hand aufzunehmen, ihn fachgerecht abzuisolieren, die passende Hülse aufzustecken, diese zu verpressen, das Werkzeug wieder abzulegen, und zum richtigen Bauteil zu gehen“, beschreibt Bütikofer den mühsamen Vorgang der manuellen Drahtkonfektionierung. Seit 2024 steht der Rittal Drahtkonfektionier-Vollautomaten Wire Terminal C10 in der Produktion von Louis Stuber. Damit lassen sich Drähte mit individueller Drahtbedruckung und Kommissionierung zehnmal schneller konfektionieren als per Hand. Bis zu 36 unterschiedliche Drähte können ohne manuellen Eingriff vollautomatisiert produziert werden. Hierzu zählen die Prozesse des Ablängen, Abisolieren, Vercrimpen sowie die projektbezogene Beschriftung der Drähte. Auf die Frage, ob die Maschinen bei den Mitarbeitern Angst um ihren Arbeitsplatz ausgelöst haben, antwortet Christian Bütikofer klar: „Zeigt mir jemanden, der wirklich sagt: Ja, das ist mein Lebensinhalt, 100 Drähte pro Tag abzuisolieren, eine Aderendhülse aufzustecken und zu pressen.“ Ganz im Gegenteil: Wenn er mit Bewerbern durch den Betrieb geht, sind speziell die Jungen sehr begeistert, vor allem die, die einen Lehrplatz suchen. „Wir sind schon voll für dieses Jahr und auch für das nächste Jahr haben wir schon Bewerbungen“, zeigt sich Bütikofer stolz.

Eplan eröffnet neue Welt

„Grundsätzlich hat uns erst Eplan diese Welt eröffnet. Wir waren relativ lange in der 2D-Schaltschrank-Disposition unterwegs“, berichtet Morgenthaler. Seit ein paar Jahren nutzt Louis Stuber den Eplan Cogineer, mit dem sich Schaltpläne per Mausklick erstellen lassen. «Daraus entsteht automatisch ein Schema in Eplan Electric P8. Danach wird der 3D-Schaltschrankaufbau modelliert. Alle Daten gehen ohne Medienbruch direkt an die Rittal-Maschinen weiter», erklärt Davide Cannova. Zum Schluss unterstützt Smart Production die Mitarbeitenden beim Aufbau und Verdrahten des Schaltschrankes. Dieses Assistenzsystem bietet eine Ansicht des 3D‑Modells inklusive Verlegewegen sowie aller relevanten Drahtdaten wie Länge, Farbe, Querschnitt und Anschlusspunkte. Nick Schwab, Verantwortlicher für das Software Engineering bei Louis Stuber versichert: „Der Vorteil ist, dass wir mittels Eplan und Rittal einen durchgängigen digitalen Workflow geschaffen haben.“ Ein weiterer Nutzen ist die Reduktion von Fehlerquellen. Denn die passieren nur mehr im Engineering, nicht mehr in der Werkstatt. „Wenn ein Draht fehlt, liegt das nicht daran, dass er vergessen wurde von den Litzenrollen zu nehmen oder vergessen wurde ihn mit Bleistift abzustreichen, weil man im Papierschema von Seite 34 auf Seite 240 springen musste. Wenn wir jetzt einen Fehler gemacht haben, ist er auffindbar. Wir haben auch die Fehlerquellen grundsätzlich drastisch reduziert“, berichtet Schwab aus seiner täglichen Praxis. Ein weiterer positiver Aspekt der 3D-Planung ist die einfache Wiederholbarkeit von Projekten oder die Planung von nachträglichen Einbauten. Dank des digitalen Zwillings der Anlage, kann man sämtliche Möglichkeiten vorab einsehen – ohne vor dem Schaltschrank zu stehen und den vorhandenen Platz zu prüfen. Auch schon während der Planung kann man dem Kunden die Anlage präsentieren. „Man sieht die Menge und Anordnung der Einbauten, der Kunde kann sich damit mehr als auf einer 2D-Zeichnung vorstellen. Auch dass das alles Geld kostet“, lacht Bütikofer. 

Dass die Louis Stuber AG aktuell einer der einzigen Schaltanlagenbauer in der Schweiz mit dieser umfassenden Automatisierung von Eplan und Rittal ist, macht den Geschäftsführer schon auch ein bisschen stolz. Zusätzlich sieht er auch einen klaren Wettbewerbsvorteil durch diesen Prozess. Denn jeder, der nicht den Schritt Richtung Automatisierung und Digitalisierung gehe, werde über kurz oder lang nicht mehr im Geschäft sein, weil er die nötige Effizienzsteigerung und Wirtschaftlichkeit nicht mehr erreichen kann. Mathias Taraca ergänzt: „ Das zeigt sich besonders deutlich bei kleineren Steuerungsbauern. In Gesprächen höre ich dort immer wieder, dass Offerten gegen bestimmte Mitbewerber verloren gehen. Die Ursache liegt häufig in den Arbeitsprozessen: Viele dieser Betriebe zeichnen noch manuell an und arbeiten mit der Handkreissäge. Im Wettbewerb unterliegen sie dadurch regelmäßig Unternehmen, die deutlich effizienter aufgestellt sind.“ 

Feinschliff für die Zukunft

Bei Louis Stuber geht es künftig um den Feinschliff. Die Abläufe sollen noch weiter verfeinert und ausgebaut werden, um noch ein bisschen effizienter zu werden. Ausserdem soll es im Engineering weitere Spezialisierungen geben. Dabei geht es auch darum die Aufgabenaufteilung anders zu strukturieren und nicht nur „ein“ Engineering zu haben, sondern z. B. einen Software-Engineer oder einen Spezialisten für die Elektro-Konstruktion zu beschäftigen. 

Abschliessend werfen Nick Schwab und Roger Morgenthaler noch einen Blick in die Zukunft. „Grundsätzlich kann ich diesen Schritt einfach nur empfehlen. Und mit der Begleitung von Eplan und Rittal war das einfach genial. Es ist etwas Neues, aber ich denke, wenn man wettbewerbsfähig sein und auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren nach vorne schauen möchte, ist das zwingend notwendig“, versichert Bütikofer. Man muss sich dafür allerdings Zeit nehmen und auch den ein oder anderen Rückschlag verkraften – das gehört einfach dazu. 

Auch Morgenthaler hat Wünsche für die Zukunft des Unternehmens. „Ich hoffe, dass wir uns stetig verbessern können. Und, dass wir unsere Mitarbeiter weiter motivieren können, weitere Verbesserungen miteinander zu entwickeln und sie auch umzusetzen.“

Text: Mag. Barbara Sawka, Freie Redakteurin

Fotos: Samuel Huwyler – Humus Artwork